Karriere-Rochade vom Berater zum Broker
  • Karriere

Karriere-Rochade vom Berater zum Broker

Einmal der eigene Chef sein… wohl jeder von uns träumt früher oder später vom Schritt in die Selbstständigkeit. Doch die damit verbundene Verantwortung und Unsicherheit ist für die meisten zu gross, um den Traum in die Realität umzusetzen. Einer, der den Schritt gewagt hat, ist Näder El Khabiri. Seit 2017 betreut er mit seiner Firma Finance & Management Versicherungsberatung erfolgreich sowohl Privat- als auch Firmenkunden. Aline Klötzli hat mit dem sympathischen Jungunternehmer über seinen Karriereweg, den Wert von Cicero und die Parallelen zwischen Schachspiel und Berufsleben gesprochen.

Herr El Khabiri, Ihre Karriere hat mit einer Polygrafenausbildung angefangen, heute sind Sie selbstständiger Versicherungsbroker. Wie ist es dazu gekommen?

Beim Einstieg ins Berufsleben war mir eine Arbeit mit kreativem Flair wichtig. Schnell habe ich aber gemerkt, dass das Polygrafenhandwerk nicht das Richtige ist für mich. Während eines längeren Auslandaufenthalts habe ich beschlossen, nach meiner Rückkehr als Quereinsteiger in die Versicherungsbranche zu wechseln. Die Dynamik des neuen Arbeitsumfelds und die abwechslungsreichen Aufgaben haben mir sofort gefallen. Als Angestellter konnte ich mir während 10 Jahren ein fundiertes Fachwissen in der Beratung von Privat- und Firmenkunden erarbeiten. 2017 habe ich mich mit meiner Firma Finance & Management Versicherungsberatung selbstständig gemacht.

 

 

Was waren Ihre Gründe für den Schritt in die Selbstständigkeit?

Als Angestellter wurde ich mit immer komplexeren Versicherungsfragen und -wünschen konfrontiert. Um die Angebotspalette zu erweitern und so eine optimale Beratung aus einer Hand zu gewährleisten, wurden immer öfter zusätzliche Arbeitsschritte nötig. Bald wurde mir klar, dass ich das als selbstständiger Unternehmer viel schneller und effizienter erledigen könnte. Ungefähr zur gleichen Zeit haben mich einige Leute aus meinem Bekanntenkreis darauf angesprochen, warum ich mich nicht als Broker selbstständig mache. Da habe ich mir gesagt: Warum eigentlich nicht?

 

Wie hat Ihr Umfeld auf den Entschluss zur Geschäftsgründung reagiert?

Ich hätte Glück: sowohl in meinem beruflichen als auch im privaten Umfeld waren die Reaktionen durchwegs positiv.

 

Die Anfangsphase eines Startups ist oft steinig. Wie war das in Ihrem Fall?

Das kann ich bestätigen. Durch die Selbstständigkeit sind einige Annehmlichkeiten weggefallen, die für Angestellte selbstverständlich sind. Zum Beispiel die berufliche Vorsorge. Da dies aber in mein Fachgebiet fällt, wusste ich, was auf mich zukommt. Rasch konnte ich auch einen sehr diversifizierten Kundenkreis aufbauen. Diese Vielseitigkeit und das Vertrauen meiner Mandanten sind mein grösstes Kapital. So gewinne ich neue Kunden inzwischen vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

 

Wie sehen die Prognosen für die junge Firma aus?

Im Moment konzentriere ich mich voll auf die Beratung von Firmenkunden im Bereich der Pensionskasse. Dort besteht viel Potenzial. Daraus ergeben sich aber auch spannende Möglichkeiten für umfassendere Mandate, zum Beispiel zu Themen wie Anlagemöglichkeiten, Steuern, individuelle Vorsorge und weitere Geschäftsversicherungen. So kann ich mein gesamtes Know-how einbringen und ausschöpfen. Gleichzeitig baue ich die Angebote und Partnerverträge laufend aus. Das System ist sehr effizient und flexibel. Wenn jemand mehrere Termine und Expertenwissen braucht, bekommt er das bei mir – egal, ob es sich um einen Stamm- oder Neukunden handelt.

 

 

Und welche Herausforderungen sehen Sie auf die Assekuranzbranche zukommen?

Das Berufsbild des Versicherungsberaters wird sich stark verändern, das kann man schon seit längerem beobachten. Einerseits wird immer mehr Flexibilität und Fachwissen erwartet, andererseits werden firmeneigene Vertriebskanäle wie der telefonische Kundendienst und Online-Angebote zur ernsthaften Konkurrenz. Einfach gesagt: Gut ist heute nicht mehr gut genug. Wer den Anschluss nicht verpassen will, muss up-to-date bleiben und sein Netzwerk pflegen.

Zwei Themen, welche die Schweizer Versicherungsbranche ebenfalls noch bewegen werden, sind der Schutz vor Cyberkriminalität und die Senkung der Anreize zur Krankenkassenberatung.

 

Sie sind üK-Leiter Personen- und Sozialversicherungen beim VBV. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Im Wesentlichen bedeutet es, dass ich im Auftrag des VBV KV-Lehrlinge im 3. Lehrjahr zu den Themen staatliche-, berufliche- und individuelle Vorsorge unterrichte. Dabei wird das 3-Säulen-Prinzip erklärt, gelernt und angewendet. Einerseits helfe ich so mit, den Nachwuchs und damit die Branche zu stärken. Andererseits ist es auch für mich selbst eine Befriedigung, das Wissen zu diesen komplexen Gebieten weitergeben zu können.

 

 

…und gleichzeitig Cicero Credits zu sammeln.

(lacht) Genau! Bei Cicero zählt auch die Vermittlung von Know-how. Dank der Lehrtätigkeit muss ich mir also keine Sorgen um fehlende Punkte auf meinem Wissenskonto machen. Aber ich habe mich auch schon vorher ständig um neues Fach- und Branchenwissen bemüht – stehenbleiben kommt für mich nicht in Frage.

 

Welchen Wert hat Cicero für Sie im Alltag?

Aktuelles Fachwissen ist matchentscheidend und insofern ist Cicero als Bildungsplattform und Qualitätssiegel für die ganze Branche wichtig. Auf den eigenen Beratungsstil und die persönliche Motivation hat das System meiner Ansicht nach aber wenig Einfluss.

 

Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschen Sie sich als Broker von Cicero?

Da fallen mir spontan zwei Dinge ein: Mehr partnerschaftliche Unterstützung der Akkreditierten und mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Als Qualitätsgarant hat das Label für den Kunden nur dann einen Wert, wenn er es kennt und weiss, wofür es steht.

 

Sie haben eine Leidenschaft für das Schachspiel. Kann man dabei auch etwas für das Berufsleben lernen?

Stimmt, ich spiele sehr gerne Schach! Aber nur zur Freude, nicht an Turnieren. Der Reiz liegt für mich weniger im Gewinnen, als im Respekt vor dem Gegner. Schach vereint Balance, Taktik, Strategie, Ruhe und Konzentration auf elegante, wenn nicht sogar geniale Weise. Zug um Zug lernt man dabei etwas über die eigene Funktionsweise und jene des Gegenübers. Ist es im Leben nicht idealerweise ebenso?

 

Zum Schluss bitte ich Sie noch um einen Einblick in Ihren Erfahrungsschatz: Welche Tipps würden Sie jemandem beim Schritt in die Selbstständigkeit mit auf den Weg geben?

Das Wichtigste ist sicher, dass man an sich glaubt. Ausserdem sollte man nicht zu stolz sein, nach Rat zu fragen und Unterstützung anzunehmen. Und man muss ein Ziel vor Augen haben – das gilt im Beruf ebenso wie im Privatleben. Das hilft dabei, besser mit Rückschlägen umzugehen, und die gibt es bei jedem. Wer immer einen Schritt vorausdenkt und einen Plan B in der Tasche hat, bleibt auf Kurs – auch hier können Erfahrungen im Schachspiel also sehr nützlich sein (lacht). Was ich aber niemanden empfehlen kann ist, Ideen und Konzepte einfach eins zu eins zu kopieren. Authentizität ist und bleibt ein wichtiges Kapital in unserem Beruf.

 

 

Näder El Khabiri, Gründer und Inhaber der Finance & Management Versicherungsberatung, Muri b. Bern

«Morgen bin ich der Kunde meines Kunden. Jeder hat das Recht auf einen königlichen Service.»

 

 

 

Autorin
Aline Klötzli

Aline Klötzli Ausbildung Vermittlerqualifikation & Young Insurance Professional VBV; «Auch wenn ein Ziel weit entfernt scheint, lohnt es sich, nicht aufzugeben. Wer offen und neugierig bleibt, entwickelt sich weiter und lernt auf dem Weg viel Neues und Spannendes.»

weitere Beiträge

ASDA ist für alle da

V-Quiz: Von der Idee zur App

Social Media: Do's and Don'ts